Der aktuelle Praxisfall sieht folgendermaßen aus und kommt immer wieder vor:

“Meiner Kundin wurde eine Domain angeboten und jetzt fragt Sie mich ob Sie diese Domain übernehmen und für 300 Euro kaufen sollte?”

Ich kenne das schon, denn oft wenn ich ein Webprojekt annehme, dann suche ich mit den Kunden nach einer guten Webadresse. Meistens ist die gewünschte Domain schon vergeben oder reserviert. Man sucht weiter und irgendwann ist man schon verzweifelt weil alle guten Adressen vergeben sind. Teilweise ärgert es einen, denn viele dieser Webseiten werden offensichtlich schon lange nicht mehr gepflegt.

Dann kommt das Domain Angebot

Oft, gerade wenn man nach einer Domain sucht oder eine registriert hat, dann kommt unverhofft ein Angebot. In einer Email bekommt man dann eine Domain zum Kauf angeboten. Im vorliegenden Fall ist es eine Kombination aus der Dienstleistung und dem Stadtnamen.

Der Preis für die Übernahme der Domain ist 300 Euro! Die Kundin fragt mich ob Sie das Angebot annehmen sollte oder eher nicht? Meine Antwort in diesem Fall ist ganz klar: “Nein!”

Warum ich meinen Kunden abrate nicht auf die Domain-Geiselnahme einzugehen:

Der Preis für die Übernahme von einigen hundert Euro wäre mir persönlich zu hoch und steht nicht im Verhältnis zum Aufwand.

Ablauf der Domain-Geiselnahme:

Step 1: Registrierung

Der Domain-Geiselnehmer registriert sich alle möglichen Domains. Diese Domains haben in der Regel überhaupt nichts mit dem Geschäft des Domain-Anbieter zu tun. Vielmehr kombiniert er zum Beispiel eine Dienstleistung und alle möglichen Städtenamen, die registriert er für sich.

Step 2: Der Erpresserbrief

Er verschickt an alle infrage kommenden “Kunden” eine Email. Er sucht in der jeweiligen Region alle Dienstleister und mailt diese einfach alle an.

Formulierung: “…ich brauche diese Domain nicht mehr!” stimmen, denn er hat diese ja nie gebraucht. Er hat Sie nur registriert um sie später mit gutem Gewinn, also gegen Lösegeld, zu verkaufen.

Das Email enthält, wie ein einer richtigen Lösegeldforderung auch, nur minimale Angaben zum Absender. Oft nur ein Name, den man nicht wirklich googeln kann. Ein Firmenname oder eine Adresse fehlen in der Regel immer.

Step 3: Der Geldtransfer für eine Domain

An wen sende ich eigentlich mein Geld? Bekomme ich vielleicht eine finanzamtstaugliche Rechnung? Oder ist es eher wie bei einer Erpressung, da bekommt man ja auch keine Quittung!

Step 4: Die Übergabe

Und zum Schluss bleibt auch noch offen ob der Domain Transfer überhaupt vollzogen wird. Sorry, aber mich persönlich erinnert das alles an eine Art Geiselnahme. Zumindest ähnelt sich der Ablauf ungemein.

Aber was rate ich meiner Kundin?

“Gehe nicht auf das sogenannte Angebot ein und zahle das Lösegeld nicht!”

Erstens unterstützt man damit, dass irgendwelche Leute eine Unmenge an Domains für sich reservieren und blockieren. Da die meisten Anbieter ihre Identität gerne verschleiern, stellt sich außerdem die Frage der Seriosität.

Ich rate immer dazu sich eine eigene Domain zu suchen und diese dann ganz normal zu registrieren. Im vorliegenden Fall konnte meine Kundin durch das Angebot sogar viel Geld sparen und das ging so:

Die angebotenen Domain war eine Kombination aus einer Dienstleistung und dem Stadtnamen Frankfurt. Die Kundin hat ihr Geschäft zwar in der der Nähe von Frankfurt, allerdings in Neu-Isenburg.

Ich habe ihr einfach die Kombination aus Dienstleistung und Neu-Isenburg als Domain registriert, denn diese war noch frei und habe damit folgenden Effekt erzielt:

  • Nein, wir haben die 300 Euro nicht bezahlt!
  • Teilt man die monatliche Domaingebühr durch die geforderten 300 Euro, dann kann man die eigene Domain 25 Monate mit diesem Geld bezahlen. Zumal ja auf die gekaufte Domain ebenfalls monatliche Kosten zzgl. Umstellungskosten entfallen würden.
  • Statt dessen haben wir jetzt eine Domain die den tatsächlichen Standort der Kundin repräsentiert. Denn wenn sie die Dienstleistung gar nicht in Frankfurt anbietet, dann ist fraglich was diese Domain eigentlich bringen würde?