Jammern nützt nichts! Unsere Geschäfte mussten vorübergehend schließen. Für Einige geht oder ging es um die Existenz. Aber wie in jeder Krise gibt es Gewinner und Verlierer. Damit meine ich vor allem, dass manche ein Geschäftsmodell betreiben, dass nicht funktioniert. Wo ist der Sinn so etwas am Leben zu halten? Ist es nicht besser, dass eine Marktbereinigung platz schafft für Neues?

Mal unter uns, wenn die Umsätze jedes Jahr weniger werden und die Inhaber/innen nichts ändern, dann wird der Markt die Entscheidung zu treffen. Die Alternative ist, selbst sein Konzept zu analysieren und dem Markt anzupassen. Wie so etwas gehen kann, habe ich bei einer Bäckerei in meiner Nachbarschaft gesehen.

Wie eine Bäckerei sich zwangsweise neu erfindet

Eine kleine und fast schon unscheinbare Bäckerei ist mir erst aufgefallen, als sie ein buntes Plakat ins Schaufenster gehängt hat. Darauf war zu lesen, dass man nach Jahrzehnten den Betrieb einstellt. Schuld seinen die Supermärkte, Discounter und Backshops. Man würde das bedauern, dass die Kunden in der heutigen Zeit nicht mehr bereit sind erstklassiges Bäckerhandwerk zu honorieren. 

Die Wahrheit sah leider etwas anders aus, denn schon lange hatte man auf jegliche Renovierung oder Modernisierung verzichtet. Das Angebot an Backwaren war das gleiche wie vor zwanzig Jahren. Anstatt sich dem Markt anzupassen, hatten die Besitzer sich lieber damit beschäftigt über die böse Konkurrenz zu schimpfen.

Drei Möglichkeiten mit der Konkurrenz umzugehen

Als Inhaber eines Geschäftes muss ich wissen, wie man mit Konkurrenz umgehen muss. Da gibt es grundsätzlich nur drei Möglichkeiten. Es sind die Gleichen die wir als Urmenschen hatten, wenn uns ein Säbelzahntiger gegenüber stand: Angriff, wegrennen oder totstellen!

Der Angriff ist meistens ein kostspieliges und oftmals aussichtsloses Unterfangen. Am Ende kann eine Bäckerei nicht verhindern, dass ein Supermarkt Brötchen anbietet. Versucht hat es die Bäckerinnung, aber offensichtlich ohne Erfolg. Wegrennen funktioniert bei stationären Geschäften nicht, denn es gibt sicher lange Mietverträge. Sich tot zu stellen ist die letzte Option. Mit anderen Worten man ergibt sich. 

Mein Bäcker um die Ecke hat sich totgestellt, zumindest so lange, bis er es dann auch war

Was darauf folgte war ein munterer Wechsel einiger Bäckereiketten. Jeder versuchte seine Industrieware zu verkaufen. Die alte Bäckerei diente lediglich als Verkaufsfläche. Die Backstube wurde nicht mehr betrieben. Das hat sich ja nicht mehr gelohnt. Irgendwann gab der letzte Großbäcker auf. Warum soll man extra zum Bäcker (der ja gar keiner mehr ist) gehen, wenn ich die gleichen Backwaren im Supermarkt einkaufen kann?

Nachdem der Laden einige Zeit leer stand, da hatte auf einmal ein junges Team die alte Bäckerei übernommen. Jetzt gibt es erstklassige Kaffeespezialitäten, leckere Croissants, Kuchen und traditionelles Brot. Der Laden läuft und sogar kleine Tischchen und Stühle stehen jetzt vor der Tür. Was ist passiert? Die neuen Eigentümer bieten etwas, was die Leute wollen. Es gibt eben doch einen Markt für schmackhaftes Brot und leckeres Gebäck. Im Prinzip lag die Lösung auf der Hand. Man musste sich nur fragen, was die Kunden brauchen. In diesem Fall war es ein Cafe in der Nachbarschaft. Verschiedenen Kaffeespezialitäten und Leckereien die man nicht im Supermarkt bekommt sind die Grundlage für den Geschäftserfolg. 

Außerdem werden die Synergieeffekte genutzt. Wer nur ein Brot kaufen möchte, wird vom köstlichen Kaffeeduft quasi verführt. Viele Kunden gönnen sich dann eine kleine Pause. Die kleinen Bistrotische laden ja förmlich dazu ein. So landet, neben dem Brot schnell ein Kaffee und ein Snack auf dem Kassenzettel. 

Zwangspause als Chance zum Neujustieren deiner Geschäftsfelder

Mein Beispiel mit der Bäckerei, kann man auf viele Geschäftsmodell übertragen. Inhaber vergessen oft, ihr Geschäft mal aus der Kundenperspektive zu betrachten. Wann hast du denn dein Warenangebot oder deine Dienstleistungen hinterfragt? Wenn man durch den Corona-Shutdown vor dem sprichwörtlichen Aus steht, dann sollte man das als Anlass nehmen und mal den Reset-Knopf drücken! Der Neustart bringt die Möglichkeit, sich neu nach den Kundenbedürfnissen auszurichten. Verpasse diese großartige Chance nicht!